Oneway. Als Deutsche im Gazastreifen

Die vielseitigen Probleme und Herausforderungen, auf die Migranten bei uns in Deutschland treffen, sind uns in großen Teilen schmerzlich bekannt. Doch wie ergeht es eigentlich einer Deutschen, die in ein arabisches Land zieht? Welche Erfahrungen macht sie mit den Leuten und der Kultur? Wie wird sie selbst wahrgenommen und behandelt?

In ihrem Buch „Oneway. Berlin – Gaza“ gibt uns Kerstin Winge Einblick in diese spiegelverkehrte Integration. In Rückblicken, aber auch mit echten Tagebucheinträgen aus ihrer Zeit im Gazastreifen erzählt die dreifache Mutter von ihrem Versuch, sich anderswo heimisch zu fühlen.

Mitte der Neunzigerjahre lernt Kerstin Winge ihren späteren Mann kennen und zieht mit ihm in seine Heimat: den Gazastreifen. Es ist ein mutiger Schritt, für den der Leser die Autorin nur bewundern kann. In einer der gefährlichsten Regionen der Welt sind es jedoch nicht nur die kulturellen Unterschiede, die der Deutschen ein sorgloses Leben unmöglich machen. Die Schilderungen vom Beschluss des eigenen Hauses, ständiger Überwachung und politischer Willkür gehen unter die Haut. „Oneway“ ist kein politisches Buch, doch die politische Situation ist allgegenwärtig. 18 Jahre lang lebte Kerstin Winge im Gazastreifen; 18 Jahre, in denen sie sich immer weiter von ihrem Mann und dem eigenen Leben entfernt.

Fazit: Das Buch ist mit einigen Farbfotos angereichert, die die Atmosphäre sehr gut transportieren. Insbesondere die Kindergemälde in schwarz und rot machen einen Lebensalltag deutlich, den man sich von hier aus nur schwer vorstellen kann. „Oneway“ ist ein persönliches, unglaublich intimes Buch, das dem Leser fremde Welten näherbringt und ihn Kerstin Winges Geschichte hautnah miterleben lässt.

Winge, Kerstin
acabus
ISBN/EAN: 9783862826476
16,00 € (inkl. MwSt.)