Denn die Nacht bringt das Meer (Paperback)

Nordsee-Thriller
ISBN/EAN: 9783862825004
Sprache: Deutsch
Umfang: 280 S.
Format (T/L/B): 2 x 21 x 13.5 cm
Einband: Paperback
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Ein Leuchtturm an der Nordsee - hier versucht Marit, ihrem Alltag zu entfliehen. Doch nachts rauben nicht nur der tosende Sturm und die um den Turm peitschenden Wellen ihr den Schlaf. Sie fühlt sich beobachtet, als würde jemand in dem alten Gemäuer herumschleichen. Auch werden in ihr düstere Erinnerungen wach. Vor Jahren wäre ihre Tochter Janna hier beinahe ertrunken. Im Dorf trifft sie auf kauzige Küstenbewohner, die von Geistern und Meermännern sprechen. Marit steht vor einem Rätsel: Was hat es mit den vielen ertrunkenen Kindern an diesem Ort auf sich? Warum fuhr Janna damals ganz allein aufs Meer hinaus? Und dann kommt erneut ein junges Mädchen zu Tode.
Veronika Bicker, geboren 1978, begann schon in ihrer Schulzeit, Kurzgeschichten und Romane zu schreiben. Während ihres Ökologie-Studiums veröffentlichte sie mehrere Kurzgeschichten in Anthologien und widmet sich seit Abschluss des Studiums ganz dem Schreiben. Ihr Jugendthriller "Schmetterlingsschatten" erschien 2008 bei Arena, die Trilogie "Optimum" 2012/13 bei Egmont INK. "Denn die Nacht bringt das Meer" ist ihr erster Mysterythriller. Die ungebändigte Nordsee übte schon immer eine geheimnisvolle Faszination auf die Autorin aus. Bei ihren regelmäßigen Reisen an die norddeutsche Küste kam ihr der naheliegende Gedanke an Geister im Wattenmeer. Veronika Bicker lebt mit ihrer Familie in Stolberg, NRW.
Kapitel Zwei - Geister der Vergangenheit Ein kühler Luftzug hatte sich an den Paravents vorbeigestohlen und strich über Marits Wangen. Sie öffnete die Augen und bemerkte zu ihrer Verwunderung, wie dunkel es im Zimmer geworden war. War sie tatsächlich eingeschlafen? Ich werde alt. Ein schriller Ton riss sie aus ihren Gedanken. Sie brauchte einen Moment, um das Geräusch richtig einordnen zu können; es schien so gar nicht in diese Welt von Meer und Vergangenheit zu passen. Dann wurde es ihr klar: das Handy. Sie hatte ihren kleinen Lederrucksack vorhin beim Eingang abgelegt, und dort drin befand sich neben ihren Papieren und ihrem Portemonnaie auch das neue Smartphone, das ihr Janna zum Abschied aufgedrängt hatte. Marit eilte die Stufen hinunter. Es wird in dem Moment zu klingeln aufhören, in dem ich es in die Hand nehme, ging es ihr durch den Kopf. Das ist doch immer so. Sie beeilte sich, nahm bei der letzten Treppe immer zwei Stufen auf einmal und erreichte den klingelnden Lederrucksack. Noch immer ließ das Handy nicht locker. Jemand wollte sie sehr dringend sprechen. Marit schob die Hand in die Tasche und zog gleich darauf das Handy heraus. Das Display leuchtete ihr in einem matten Blau entgegen. 'Janna', stand darauf. Marit seufzte. Einen Augenblick lang sah sie das Handy nur an und hoffte beinahe, dass es nun endlich zu klingeln aufhörte, doch der schrille Ton wiederholte sich unbeirrt. Marit gab auf und drückte den Annahmeknopf. 'Hallo?' 'Du hast nicht angerufen.' Jannas Stimme, wie in weiter Ferne, der Vorwurf war unverkennbar in ihrem Tonfall zu hören. Marit wusste sogar, wie ihre Tochter in diesem Moment aussah, die dunklen Augenbrauen zusammengezogen und eine steile Falte dazwischen, die grauen Augen voller Sturm. 'Hallo Janna.' Marit zwang sich zu einem Lächeln, das Janna sowieso nicht sehen konnte. 'Ich bin gut hier angekommen.' 'Wir hatten ausgemacht, dass du anrufst, sobald du dort bist. Ich warte schon seit Stunden auf deinen Anruf.' 'Es tut mir Leid. Ich habe nicht daran gedacht. Nach der Reise war ich müde und habe mich ein wenig ausgeruht.' Marit brachte es irgendwie fertig, weiterhin das Lächeln auf ihrem Gesicht zu bewahren. Janna war nicht beschwichtigt, aber an ihren nächsten Worten konnte Marit zumindest hören, dass sie sich Mühe gab. 'Mama, ich mache mir doch nur Sorgen, wie es dir geht. Du bist ganz alleine dort oben.' Und ich bin erwachsen. Ich komme zurecht, Janna. 'Ich bin in Ordnung. Ich werde mir jetzt erst mal einen Kaffee machen und dann Abendessen. Alles ist so, wie ich es geplant habe. Du brauchst dir keine Gedanken zu machen. Mir passiert nichts. Was sollte auch schon passieren?' Schweigen. Marit konnte förmlich hören, wie Janna überlegte. Dann folgte ein unsicheres Lachen. 'Kaffee könnte ich jetzt auch gut brauchen.' 'Mit Karamellsirup?' Zum ersten Mal in diesem Gespräch fühlte sich Marits Lächeln echt an. Janna lachte. Es klang schon viel ehrlicher als das zuvor. 'Milch mit Karamellsirup', sagte sie. 'Ich erinnere mich. Die ganzen Ferien lang.' Marits Blick wanderte zur Küchenzeile. Sie fragte sich, ob im Schrank Karamellsirup stehen würde. Sie meinte, den bitter-süßen Geruch von Karamellkaffee riechen zu können, und ihre Gedanken schweiften ab. Zurück zu den Tagen, an denen sie zum letzten Mal Karamellsirup in ihren Kaffee getan hatte. In den Kaffee und in eine Tasse mit warmer Milch. 'Danke, Mama.' Janna nimmt den Becher mit der schwarzweißen Kuh darauf in beide Hände und hebt ihn vorsichtig an ihre Lippen. Langsam bläst sie über die Oberfläche der heißen Milch. Immer so sorgsam, ihre kleine Tochter. Marit selbst gibt einen Teelöffel Karamellsirup in ihren Kaffee, lehnt sich zurück und nimmt einen vorsichtigen Schluck der seltsamen Mischung. Es schmeckt nicht schlecht, entscheidet sie. 'Mama?' 'Was gibt's?' 'Tomme hat gesagt, früher gab es so etwas wie Karamellsirup nicht. Nicht mal viel Schokolade. Das ist nur etwas für die Reichen, hat er gesagt, und er hat mich