Der Unfall (Paperback)

Thriller
ISBN/EAN: 9783862826537
Sprache: Deutsch
Umfang: 236 S.
Format (T/L/B): 2 x 21 x 13.3 cm
Auflage: 1. Auflage 2019
Einband: Paperback
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Ein Verkehrsunfall, eine neue Liebe, ein abgelegenes Haus. Meli van Bergen ist eine erfolgreiche Immobilienmaklerin. Sie führt ein Leben auf der Überholspur, bis ein Unfall sie jäh ausbremst: Querschnittslähmung. Rollstuhl. Depression. In der Reha lernt sie den fröhlichen Therapeuten Tom kennen, der ihr zeigt, dass das Leben noch immer lebenswert ist. Sie verlieben sich, heiraten und ziehen in ein einsames Haus am See. In der freien Natur, ohne Telefon und Internet, lebt Meli wieder auf. Doch unmerklich holt die Vergangenheit sie wieder ein. Die perfekte Idylle bekommt Risse und Meli muss plötzlich um ihr Leben kämpfen.
Andree Metzler erlernte zwei technische Berufe und studierte Jura. Nach dem erfolgreichen Studium lockten die Medien. Seit mehr als 13 Jahren arbeitet er redaktionell für die Berlinale. Daneben verfasste er Käpt'n-Blaubär-Geschichten für eine Verkehrsfibel, war mit Santiago in Irland unterwegs und betreute zahlreiche Künstler hinter der Showbühne. Er unternahm "Eine kulinarische Entdeckungsreise durch Brandenburg" und begleitete den Bau der AIDAdiva ebenso wie einen Tunnelvortrieb von Herrenknecht. Für seinen Romanerstling "Tote sind auch nur Menschen" recherchierte er in einer ganz anderen Branche: im Bestattungswesen. Andree Metzler lebt mit seiner Familie in Berlin.
Kapitel 4 Meli spürt ihre Zehen sehr gut. Überhaupt spürt sie ihren ganzen Körper sehr gut. Die Bässe der Musik wummern in ihrem Magen und die Rhythmen prickeln in den Haarwurzeln. Sie steht auf der Tanzfläche und bewegt sich ausgelassen zwischen den extrovertierten Partygästen. Ein Gemisch aus edlem Parfüm und frischem Schweiß umgibt sie. Erneut lässt sie ihren Blick streifen, sie sucht, hat ihn nicht vergessen, diesen stahlblauen Blick des dunkelhaarigen Verführers. Wo ist er? Ein Rolex-Daddy mit errötetem Kopf tanzt sie offensiv an, doch Meli lächelt eine eindeutige Ablehnung. Nein, diese Nacht gehört mir. Und ihm, dem Prinzen, wenn er noch da ist. Vielleicht auch nur mir ganz allein. Ob ich den Mann wiedersehe? Egal, jetzt wird gefeiert. Meli bewegt sich grazil, sie weiß ihren Körper einzusetzen, den Takt der Musik in wohlchoreografierte Schwingungen umzuwandeln. Auf ihren durchtrainierten Körper ist sie sehr stolz. In Grooves versunken hebt sie ihre Arme, schließt die Augen und greift nach den Sternen. Vergessen die schmerzenden Füße, vergessen die Suche, einfach nur das Dasein spüren. Als sie die Augen wieder öffnet, steht er vor ihr, der Traumtyp von vorhin. Er hat mich gesucht. Er hat mich gefunden, wie süß. Gut sieht er aus. So durchtrainiert, mit so einem sanften Lächeln. Meli lächelt zurück, ein unerschöpfliches, nie enden wollendes Lächeln. Doch plötzlich stehen ihr, hinter dem Traum von einem Mann, einige weitere Menschen gegenüber und schauen sie an. Menschen, die reglos sind. Menschen in Blau. Schon wieder diese komische Farbe. Auch ihr Traummann trägt nun ein blaues Gewand. Alle seine Prinzenattribute sind schlagartig verschwunden. Er lächelt nicht mehr, seine Haare sind lichter, seine Stirn höher und seine Gesichtsfalten tiefer. Er trägt eine Brille und wirkt mit seiner Clique richtig bedrohlich. Was will er, was will diese Sekte von mir? Wer lässt denn nur solche Spinner hier rein? Und warum sehen die mich alle so besorgt an? Wie Bowlingkegel stehen die blau Gekleideten aufgereiht. Der Älteste, mein gerade vergangener Traummann, im Vordergrund, dahinter in zweiter und dritter Reihe jüngere und, so scheint es, unwichtigere Gestalten. Ganz hinten, hinter einer getönten Scheibe mit Jalousie, erkennt Meli ihre Eltern. Ein Gefühl der Wärme durchdringt sie. Doch nur kurz. Wie? Meine alten Herrschaften? In einem Nachtclub? Sie, die abends immer nur vor dem Fernseher - Volksmusik hier, Krimi da - sind hier? Das ist ja. toll! Sie hebt ein wenig den Kopf, um sie besser zu sehen. Meli spürt einen wohligen Hauch Geborgenheit, lächelt jedoch irritiert, da ihre Eltern ein bekümmertes Gesicht machen. Was ist denn bloß los hier? Sie hebt leicht die Hand und versucht zu winken. 'Hallo! Frau van Bergen, mein Name ist Professor Doktor Schneider', fängt der vorderste blaue Bowlingkegel überlaut an zu sprechen. Seine knarrende Stimme klingt reifer als die des Prinzen und dröhnt in Melis Kopf, als ob eine Planierraupe mitten durch fährt. 'Sie hatten einen schweren Unfall.' Melis Kopf fällt ungebremst die wenigen Zentimeter zurück, starrt nun, ohne zu blinzeln, direkt in das Deckenlicht. Die sirrende und durchdringende Neonröhre lenkt sie einen Moment vom Brummen ihres Schädels ab. Hat mir jemand etwas in den Drink getan? Man hört ja immer wieder von solchen Fällen. Ich fühle mich so abgekapselt. Außenstehend. So seltsam. Meli versucht, zurück in ihren Traum zu kommen, der Club, die Musik, der Tanz und der geile Typ. Professor Doktor hallt es in ihr nach. Ein knackiger Professor Doktor, na, das ist doch der Sechser im Beziehungslotto. Oder? Wie oft trifft man schon so einen? Melis Augen verdrehen sich, sie driftet weg. Professor Schneider setzt sich auf einen Stuhl neben ihrem Bett, nimmt ihre linke Hand und spricht sie nun mit warm-knarrender Stimme an: 'Frau van Bergen, hallo, hören Sie mich?' Meli stöhnt, ohne die Augen zu öffnen, ein 'Ja' hervor. 'Wir haben Sie operiert und alles getan, was möglich war.' O