Der Unfall (E-Book, PDF)

eBook - Thriller
ISBN/EAN: 9783862826544
Sprache: Deutsch
Umfang: 229 S., 1.96 MB
Auflage: 1. Auflage 2019
E-Book
Format: PDF
DRM: Digitales Wasserzeichen
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Ein Verkehrsunfall, eine neue Liebe, ein abgelegenes Haus.Meli van Bergen ist eine erfolgreiche Immobilienmaklerin. Sie führt ein Leben auf der Überholspur, bis ein Unfall sie jäh ausbremst: Querschnittslähmung. Rollstuhl. Depression. In der Reha lernt sie den fröhlichen Therapeuten Tom kennen, der ihr zeigt, dass das Leben noch immer lebenswert ist. Sie verlieben sich, heiraten und ziehen in ein einsames Haus am See. In der freien Natur, ohne Telefon und Internet, lebt Meli wieder auf. Doch unmerklich holt die Vergangenheit sie wieder ein. Die perfekte Idylle bekommt Risse und Meli muss plötzlich um ihr Leben kämpfen
Andree Metzler erlernte zwei technische Berufe und studierte Jura. Nach dem erfolgreichen Studium lockten die Medien. Seit mehr als 13 Jahren arbeitet er redaktionell für die Berlinale. Daneben verfasste er Käptn-Blaubär-Geschichten für eine Verkehrsfibel, war mit Santiago in Irland unterwegs und betreute zahlreiche Künstler hinter der Showbühne. Er unternahm "Eine kulinarische Entdeckungsreise durch Brandenburg" und begleitete den Bau der AIDAdiva ebenso wie einen Tunnelvortrieb von Herrenknecht.Für seinen Romanerstling "Tote sind auch nur Menschen" recherchierte er in einer ganz anderen Branche: im Bestattungswesen. Andree Metzler lebt mit seiner Familie in Berlin.
Kapitel 4Meli spürt ihre Zehen sehr gut. Überhaupt spürt sie ihren ganzen Körper sehr gut. Die Bässe der Musik wummern in ihrem Magen und die Rhythmen prickeln in den Haarwurzeln. Sie steht auf der Tanzfläche und bewegt sich ausgelassen zwischen den extrovertierten Partygästen. Erneut lässt sie ihren Blick streifen, sie sucht, hat ihn nicht vergessen, diesen stahlblauen Blick des dunkelhaarigen Verführers. Wo ist er? Ein Rolex-Daddy mit errötetem Kopf tanzt sie offensiv an, doch Meli lächelt eine eindeutige Ablehnung. Nein, diese Nacht gehört mir. Und ihm, dem Prinzen, wenn er noch da ist. Vielleicht auch nur mir ganz allein. Ob ich den Mann wiedersehe? Egal, jetzt wird gefeiert.Als sie die Augen wieder öffnet, steht er vor ihr, der Traumtyp von vorhin. Er hat mich gefunden, wie süß. Gut sieht er aus. Meli lächelt zurück.Doch plötzlich stehen ihr, hinter dem Traum von einem Mann, einige weitere Menschen gegenüber und schauen sie an. Menschen in Blau. Schon wieder diese komische Farbe. Auch ihr Traummann trägt nun ein blaues Gewand. Er lächelt nicht mehr, seine Haare sind lichter, seine Stirn höher und seine Gesichtsfalten tiefer. Er trägt eine Brille und wirkt mit seiner Clique richtig bedrohlich. Was will diese Sekte von mir? Wer lässt denn nur solche Spinner hier rein? Und warum sehen die mich alle so besorgt an?Wie Bowlingkegel stehen die blau Gekleideten aufgereiht. Der Älteste, mein gerade vergangener Traummann, im Vordergrund, dahinter in zweiter und dritter Reihe jüngere und, so scheint es, unwichtigere Gestalten. Ganz hinten, hinter einer getönten Scheibe mit Jalousie, erkennt Meli ihre Eltern. Ein Gefühl der Wärme durchdringt sie. Doch nur kurz. Wie? Meine alten Herrschaften? In einem Nachtclub?Sie hebt ein wenig den Kopf, um sie besser zu sehen. Meli spürt einen wohligen Hauch Geborgenheit, lächelt jedoch irritiert, da ihre Eltern ein bekümmertes Gesicht machen. Was ist denn bloß los hier? Sie hebt leicht die Hand und versucht zu winken.»Hallo! Frau van Bergen, mein Name ist Professor Doktor Schneider«, fängt der vorderste blaue Bowlingkegel überlaut an zu sprechen. Seine knarrende Stimme klingt reifer als die des Prinzen und dröhnt in Melis Kopf, als ob eine Planierraupe mitten durch fährt.»Sie hatten einen schweren Unfall.«Melis Kopf fällt ungebremst die wenigen Zentimeter zurück, starrt nun, ohne zu blinzeln, direkt in das Deckenlicht. Die sirrende und durchdringende Neonröhre lenkt sie einen Moment vom Brummen ihres Schädels ab. Hat mir jemand etwas in den Drink getan? Ich fühle mich so abgekapselt. Außenstehend. So seltsam.Melis Augen verdrehen sich, sie driftet weg. Professor Schneider setzt sich auf einen Stuhl neben ihrem Bett, nimmt ihre linke Hand und spricht sie nun mit warm-knarrender Stimme an: »Frau van Bergen, hallo, hören Sie mich?«Meli stöhnt, ohne die Augen zu öffnen, ein »Ja« hervor.»Wir haben Sie operiert und alles getan, was möglich war «Oje, das klingt ja nach dem beliebten Zeugnissatz für Loser: Sie hat sich stets bemüht »Bitte, Frau van Bergen, arbeiten Sie einen Moment mit uns!« Der Tonfall des Chefarztes hat etwas Flehendes, das gefällt Meli. »Spüren Sie Ihre Beine?«Was wollt ihr denn alle von meinen Beinen? Warum soll ich meine Beine nicht spüren können? Na also gut. Ich schau mal Meli fühlt in sich hinein. Die Arme und die Finger gehorchen. Sie bewegen sich. Ihr Bauch ist auch da. Fühlt sich irgendwie leer an. Dann bemerkt sie erschrocken, dass sie keine Kontrolle über ihre Beine hat. Kein Gefühl. Mit ihrer rechten Hand greift sie nach ihnen. Sie sind da, sie sind warm, aber sie sind leblos, wie angenähte Sandsäcke. SCHEIßE!»Wo sind sie? Wo sind meine Beine?«Panik klingt aus ihrer trockenen Kehle. Irgendjemand spielt hier ein verdammt beschissenes Spiel mit ihr.

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