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Filotimo!

Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland, Reihe: 21

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783942223157
Sprache: Deutsch
Umfang: 196 S.
Format (T/L/B): 2 x 21.7 x 15.4 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Was? Sie kennen >Filotimo< nicht? Das ist die spezielle Einstellung der Griechen zum Leben. Was sie dazu brauchen? Zutaten: 23 positive Gedanken, 1 l Lebensgefühl, 500 g Gastfreundschaft, 1 ganze reife Freundschaft (Frucht ohne Haut), 10 Tropfen Unterstützungsgefühl, etwas Stolz, Würde und Pflichtbewusstsein (aus dem Vorratsschrank). Für die Soße: 5 EL Aufopferungsbereitschaft, 5 EL Verzicht (am besten geeignet ist der IchVerzicht), frisch gemahlener Respekt. Andreas Deffner kennt die Zubereitung - Filótimo - mehr als ein Wort. Es beschreibt das Gefühl bei guten Freunden zu sein, Gastfreundschaft zu geben und zu erfahren. Die Griechen leben es mit Leib und Seele. In elf Erzählungen berichtet Andreas Deffner von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Griechenland, die Land und Leute herzlich und authentisch zeigen. In den Menschen unterschiedlichster Couleur, vom Olivenölhändler bis zum Fischer, begegnet uns das echte Griechenland, abseits aktueller Wirtschafts- und Finanzkrisen. Im Alltäglichen zeigt sich die reine, echte Form des Filótimo am besten. Und wenn Ihnen das Lesen Lust auf mehr macht, probieren Sie die original landestypischen Rezepte aus, zusammengetragen auf den Reisen quer durch Griechenland. Genießen Sie dieses Buch und gehen Sie auf literarische und kulinarische Entdeckungsreise.

Autorenportrait

Andreas Deffner wurde am 31. Januar 1974 in Gladbeck, im Ruhrgebiet geboren. Er hat lange Zeit im Rheinland gelebt und wohnt heute mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Potsdam. Seine >Zweite Heimat< aber ist Griechenland. Seit er nach dem Abitur im Jahr 1993 das erste Mal nach Hellas gefahren ist, war er von Land, Leuten und Kultur begeistert. Und so fährt er, wann immer die Zeit es zulässt, 'nach Hause', nach Tólo. In dem kleinen Fischerdorf auf dem Peloponnes fühlt er sich ebenso heimisch wie in Potsdam, Gladbeck oder Berlin. Und Oma Vangelió hat immer gesagt: 'Junge, du bist in Tólo groß geworden!' In seinem Hauptberuf ist Andreas Deffner als Persönlicher Referent des Staatssekretärs im Bundesministerium für Gesundheit tätig. Nach seinem Fachhochschulstudium und der anschließenden Tätigkeit beim Kranken- und Rentenversicherungsträger Bundesknappschaft ging er 1999 als Beamter zum Bundesministerium für Gesundheit nach Bonn, wo er einige Jahre im Bereich Leistungs- und Beitragsrecht der gesetzlichen Krankenversicherung tätig war. Nach seinem berufsbegleitenden Masterstudium des Europäischen Verwaltungsmanagements, in dessen Rahmen er u.a. ein Praktikum im griechischen Gesundheitsministerium in Athen absolviert hat, wechselte er als Pressereferent des Bundesgesundheitsministeriums nach Berlin, wo er seit 2005 tätig ist. Seit 2008 ist er Persönlicher Referent des beamteten Staatssekretärs. Veröffentlichungen: 'Das Kaffeeorakel von Hellas - Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland', Re Di Roma-Verlag / Remscheid, 2010.

Leseprobe

Hühnersuppe und Filótimo im ältesten Haus der Welt Seit ich das erste Mal nach Griechenland kam, ist Toló meine >zweite Heimat< geworden. Eine unbeschreibliche Magie ging für mich von diesem ehemals einsamen Fischerdorf an der Ostküste des Peloponnes in der Region Argolis aus. Und so 'Kóllissa edó' - Ich bin hier kleben geblieben, wie die Griechen sagen. 1993. Das Jahr, in dem ich Abitur gemacht und spontan nach Griechenland gereist war. Mein ehemaliger Kunstlehrer hatte mich nach der Reifeprüfung hierher gelockt. Anfang der 90er-Jahre herrschte touristischer Hochbetrieb in Toló und wir verbrachten mit der Familie meines Lehrers und einigen Freunden einen unbeschwerten und fröhlichen Urlaub. Unsere Unterkunft in den damals noch einfachen und nicht klimatisierten Gästezimmern der Fischtaverne von Perikles Niotis faszinierte mich, obwohl wir es manche Nacht wegen der tropischen Hitze kaum in den Zimmern aushielten. Griechisch authentisch. Mein Lehrer kannte Perikles seit Ewigkeiten, und auch ich verstand mich mit ihm vom ersten Tag an blendend. Perikles hat Mathematik und Elektrotechnik studiert und war das Genie an der Universität von Patras. Doch er hat sich gegen Karriere und für Toló entschieden. Heute führt er noch immer zusammen mit seiner Schwester Irini das Geschäft, das seine Eltern vor vielen Jahren direkt am feinen Sandstrand der ruhigen badegastfreundlichen und fischreichen Bucht aufgebaut hatten. Oma Vangelió und Opa Aristides, wie ich Perikles' Eltern immer genannt habe, ihre Kinder sowie die Enkel und Cousins und Cousinen sind in all den Jahren zu meiner 'Zweitfamilie' geworden. Oma Vangelió hat immer gesagt: 'Junge, du bist in Toló groß geworden.' Auch für sie habe ich angefangen Griechisch zu lernen. Und bis heute ist kein Jahr vergangen, in dem ich nicht mindestens einmal nach Toló gereist bin. Meistens mehrmals, denn auch meine Kinder lieben Perikles, Toló und die besondere griechische Gastfreundschaft. Anfang September 1994 reiste ich das zweite Mal nach Toló. Ich hatte erst wenige Worte Griechisch gelernt, doch '?a??µ??a (kaliméra) - Guten Morgen, ?a?????ta (kaliníchta) - Gute Nacht und ?? ???e?? (ti kánis) - Wie geht es dir?' verstand ich. Eines Morgens, ich hatte schlecht geschlaffen, wankte ich müde auf die Terrasse der Taverna >TO NEON< meines Freundes Perikles. 'Kaliméra, ti kánis?' Oma Vangelió begrüßte mich herzlich-fröhlich wie jeden Morgen. Mein kleines griechisches Wörterbuch hatte mir am Vortag gelehrt, dass man als Antwort 'kalá - gut, etsi-ketsi - so lala oder kakó - schlecht' antworten könnte. Ich war nicht krank, aber richtig gut fühlte ich mich auch nicht, und so entschied ich mich für das so hübsch klingende 'etsi ketsi'. Oma Vangelió blickte mich mit besorgtem Blick an. Dann redete sie heftig auf mich ein, doch ich verstand kein Wort. Perikles, der ins Englische hätte übersetzen können, war gerade einkaufen. So blieb mir nur, mich entschuldigend blickend, achselzuckend auf einen der Korbstühle zu setzen. Während ich müde am griechischen Mokka nippte beobachtete ich, wie Oma Vangelió in der Küche wild gestikulierend mit ihrer Tochter Irini redete. Beide waren zweifellos wegen irgendetwas besorgt. Eine Weile später, der Kaffee wirkte, ich war erwacht, munter und wollte gerade zum Baden ins Meer steigen, da brachte mir Irini einen Teller dampfender Hühnersuppe. Auch sie spricht nur Griechisch und so verstand ich nicht viel. Sicher war nur, ich musste diese Brühe essen. Aber warum? Völlig ahnungslos schwitzte ich also im Hochsommer über der trotzdem köstlichen Hühnersuppe. Irini wachte währenddessen darüber, ob ich auch alles aufessen würde. Kurz darauf kehrte Perikles vom Einkaufen zurück. Irini rief ihm sofort aufgeregt etwas zu und zeigte dabei immer wieder in meine Richtung. Mir wurde etwas unbehaglich zumute. Was hatte ich nur verbrochen? Als mich Perikles dann fragte, was mir denn fehle, ahnte ich das Missverständnis. 'Irini sagt du bist krank?', fragte Perikles besorgt.